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Fachtag am Bodensee: Basale Stimulation® - mit allen Sinnen inklusive!

In der ersten Februarwoche 2015 hatte uns nicht nur der Winter fest im Griff, auch wurden wir von einer heftigen Grippewelle heimgesucht.

Bei klirrender Kälte fand eingebettet in die weißgetünchte Landschaft über dem Bodensee am 06. Februar der Fachtag Basale Stimulation® in den sinnlichen Räumen der Camphill Ausbildungen gGmbH in Frickingen statt.

Schon lange war dieser Tag ausverkauft, das Interesse übertraf unsere Erwartungen bei weitem und das Organisationsteam (Fabian Hillenbrand und Thorsten Tönjes) hatten über ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit damit zu tun, den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen gerecht zu werden und zugleich die Kapazitäten des Hauses und den Anspruch des Konzepts Basale Stimulation® in ausgewogenem Maße Rechnung zu tragen.

Leider mussten Prof. Dr. Andreas Fröhlich und Marina Büter aufgrund akuter Erkrankung ihre Teilnahme kurzfristig absagen, sodass der Vortrag von Herrn Fröhlich „Vom basalen Alltag zum basalen Leben“ und der Workshop von Frau Büter „Sexualität und Sinnlichkeit bei schwerer Behinderung“ leider entfallen mussten.



Ein sinnlicher Tag – spannend entspannt

Knapp 100 Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz und weiten Teilen Deutschlands (ich grüße Bremen!) fanden sich am Morgen des 06. Februar im Stehcafé ein, wärmten sich bei gutem Kaffee und Brezeln auf und nutzten die Gelegenheit für Begegnungen.

Weit ziehen die Kreise und so bunt sind die Bedürfnisse – das war deutlich herauszuspüren. Von Fachleuten der Basalen Stimulation®, KursleiterInnen, Multiplikatoren und PraxisbegleiterInnen, über Fachleute aus Pflege, Therapie und Pädagogik in der Arbeit mit schwerbehinderten Menschen kamen Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Erfahrungshintergründen zum Fachtag. Diese Vielfalt gab dem Tag eine besondere Note, gemeinsam voneinander lernen und sich gegenseitig impulsieren und bereichern war das Motto neben der Thematik „Mit allen Sinnen inklusive“.



Mit allen Sinnen inklusive?

Im Begrüßungsvortrag erklärte Thorsten Tönjes, dass der Mensch mit allen seinen zur Verfügung stehenden Sinnen wahrnehmen könne und diese Wahrnehmung nicht „zerlegbar“ sei. Ein deutlicher Hinweis auf möglicherweise irritierende Interpretationsweisen wurde dargelegt hinsichtlich der Gefahr von Reizüberflutung („Freibadeffekt“ – A. Fröhlich). „Weniger ist mehr!“ sei die Devise, wobei die Lebensthemen der Basalen Stimulation® zu berücksichtigen sind. Eine sinnliche Fotogeschichte aus dem Basalen Atelier der Camphill Schulgemeinschaft Föhrenbühl rundete die Eröffnung ab.


Hubert Jäger richtete als 1. Vorsitzender des Internationalen Förderverein Basale Stimulation® e.V. ein Grußwort an die Teilnehmer, stellte den Verein und sein Tätigkeitsfeld vor.



Impulsreferate

Sören Bauersfeld legte in seinem Vortrag „Basale Bildung – Planung und Gestaltung von Bildungsinhalten für Schülerinnen mit schwerer Behinderung“ dar, wie Unterricht und Lernen auf elementare Weise so umgesetzt werden kann, dass man den Bedürfnissen aller Schüler gerecht werden kann.


Dietmar Liebsch stellte „Anthroposophische Heilpädagogik und die basalen Sinne“ in einem ausgesprochen lebhaften Vortrag vor, der verdeutlichte, dass wir alle ein gleiches Ziel verfolgen: Menschen mit Wahrnehmungsbeeinträchtigungen zu ihnen selbst verhelfen, ihr „Ich“ spüren, sich selbst leibhaftig und in Interaktion erleben. Ein besonderes Augenmerk galt hier den rhythmischen Elementen.


Regina Gügel-Tamke schilderte ihre Perspektive zu „Eine Frage der Haltung – Basale Stimulation® in der Pflege“. Selbsterfahrungen im gesamten Plenum, wie die Begrüßung des fremden Nachbarn, waren bewegende Momente und sie machte deutlich: „Die Würde des Menschen ist berührbar“


Eine ausgedehnte Mittagspause mit guter Verpflegung vom Lagerhäusle rundete den Vormittag bei angeregten Gesprächen ab.



Workshops

Der Nachmittag war mit Workshops dem „in’s Tun kommen und erfahren“ vorbehalten.


Workshop von Regina Gügel-Tamke: „Elemente der basal stimulierenden Pflege im Alltag“

An unterschiedlichen Stationen konnten hier Erfahrungen gemacht werden, es gab Gelegenheit, den Alltag sinnhaft und würdevoll zu erfahren, anhand verschiedener Biografien konnte man seine Einschätzung beitragen.

Begrüßung und Begleitung erfahren und auf die Praxis übertragen.


Workshop von Sören Bauersfeld: „Grundlagen der Basalen Stimulation® erfahren und didaktische Übertragungsmöglichkeiten erproben“

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn ich plötzlich irgendwo hin gebracht werde, und keiner spricht mit mir? Ich stehe da, allein, hilflos, desorientiert, ohnmächtig. Wie ziehe ich einem Klienten den Schuh aus, welche Unterschiede sind wahrnehmbar und was macht das mit mir? Solche und andere Erfahrungen konnten eindrücklich erlebt werden.


Workshop von Thorsten Tönjes: „Basale Stimulation® und Klangpädagogik im basalen Dialog“ plus Klangevent „Reise in die Welt der archaischen Klänge mit Gongs und tibetischen Klangschalen“

Grundlagen der Basalen Stimulation®, somatische, vibratorische und auditive Dialoge. Einsatz von Klangschalen in der vibratorischen Anregung und ihre dialogische Umsetzung in der Praxis.

Klang und feinste Schwingung in der Peripherie und am Körper erfahren. Vorstellung verschiedener Klangschalen und Gongs und ihrer Wirkung.

Klangevent im Foyer: Alle Teilnehmer liegen mit geschlossenen Augen, hören und spüren die Schwingung, die sich im gesamten Seminargebäude ausbreitet. Leise, sanft tönen die Klangschalen, ein Gong mischt sich ein, ein weiterer Gong, der ॐ OM-Gong. Er hat etwas mit uns zu tun, mit dem Menschsein. Denn dieser Gong ist gestimmt auf die Frequenz 136,10 Hz, die 32. Oktave des Erdenjahres, was dem Umlauf der Erde um die Sonne entspricht. Das Erleben ist Tagesrhythmus – Jahresrhythmus, Macht, Donner, Gewitter, Ekstase.



Abschied und Lichtmess

Jana M. Bach und Max Münzenrieder haben als Seminaristen der Fachschule Heilerziehungspflege am Camphill-Seminar eine basale Erfahrung für alle Teilnehmer zu Mariä Lichtmess vorbereitet und erklären die Bedeutung des Festes, sowie deren Umsetzung in den Camphill Schulgemeinschaften am Bodensee. Alle Teilnehmer tragen im sich verdunkelnden Foyer eine Kerze in die Mitte des Raumes und stecken sie in einen mit Erde und Blumenzwiebeln gefüllten Blumenkasten. Ruhe breitet sich aus. Ein Lichtermeer bildet den Abschluss mit sich im Schnee reflektierendem Kerzenschein, er trägt das Licht in die anbrechende Winternacht und möge allen Teilnehmern eine gute und sichere Heimfahrt bescheren.


Danke an alle, die dabei waren und diesen Tag mitgestaltet haben!



Thorsten Tönjes

Kursleiter Basale Stimulation® in Pädagogik und Therapie

Heilerziehungspfleger, Klangtherapeut

www.basale-stimulation-klangtherapie.de





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